Test: Sony VPL-VW360ES

Test aus AV 6-2017

Projektor Sony VPL-VW360ES
Der VPL-VW360ES von Sony ist als 4K Projektor bestens für den dunklen Kinoraum geeignet.

Sony ist einer der drei Hersteller von Projektoren, die auf der LCoS-Technologie basieren. Bei Liquid Cristal on Silicon wird, wie der Name andeutet, mit Flüssigkristallen gearbeitet – wie auch beim „normalen“ LCD-Projektor.

Allerdings ist die das Licht modulierende Flüssigkeit nicht zwischen zwei Glasplatten sondern zwischen einer Glasplatte und einer spiegelnden Rückseite auf Siliziumbasis untergebracht. Vorteile sind hier gegenüber dem normalen LCD, dass sehr hohe Auflösungen ohne erkennbare Pixelstrukturen realisiert werden können, da keine Leiterbahnen und elektronische Schaltkreise im Lichtweg liegen. Die Herstellung von LCoS-Chips erfordert allerdings enorme Präzision, weswegen Projektoren auf dieser Basis in den höheren Preissegmenten angesiedelt sind.

Wir wollten in Augenschein nehmen, was mit LCoS-Projektoren heute erreichbar ist, wohl wissend, dass das übliche Einsatzgebiet dieser Geräte nicht der Konferenzraum, sondern der Vorführraum hochwertiger, detailreicher und farbrichtig dargestellter Filme ist – durchaus auch im wissenschaftlichen Bereich.
Der VPL-VW360ES wurde im letzten Sommer zur IFA der Öffentlichkeit präsentiert. Es handelt sich um einen Projektor mit 4K-Auflösung, der mit seiner Lichtleistung von 1500 Lumen im abgedunkelten Raum beste Bilder in große Abmessungen liefern kann. 4K bezeichnet eine Auflösung von 4096 x 2160 Bildpunkten. Die darstellbare Detailfülle (und damit die zu verarbeitende Datenmenge) ist enorm. Um uns eine Vorstellung machen zu können, stellen wir uns einen Vorführraum mit einer Deckenhöhe von etwa drei Metern vor. Dort könnte man eine Projektionshöhe von bis zu gut zwei Metern realisieren.
Die projizierten einzelnen Bildpunkte (Pixel) würden damit eine Größe von etwa einem Quadratmillimeter haben. Um eine derartige Detailfülle adäquat darstellen zu können, verbietet sich der Einsatz herkömmlicher Bildwände. Sie basieren auf beschichtetem Glasfasergewebe, dessen Struktur in der Größe der Bildpunkte angesiedelt ist. So werden projizierte Details verzerrt oder gänzlich unsichtbar. Der Einsatz spezieller HD-Bildwände ist daher Voraussetzung.
Stellt man auf diese Weise jedes feinste Detail unverzerrt dar, so ist noch zu überlegen, aus welcher Betrachtungsentfernung solche millimetergroßen Details einen wahrnehmbaren Vorteil darstellen. Folgt man den Ratschlägen für die optimale Betrachtungsentfernung und gehen wir von einem Seitenverhältnis von 16:9 aus, so hat unser Bild eine Größe von 3,84 x 2,16 m und damit eine Diagonale von 4,4 m. Multipliziert man die Diagonale mit 2,1, so erhält man die optimale Sitzentfernung mit 9,24 Metern. Es mag Menschen geben, die aus dieser Distanz millimetergroße Details wahrnehmen, ich werde mir jedenfalls unser Testbild von Nahem ansehen.

Fernbedienung
Die IR-Fernbedienung ist groß, übersichtlich, beleuchtbar und auch per Kabel nutzbar.

Zunächst aber schenken wir den äußeren und technischen Merkmalen unseres Testkandidaten Aufmerksamkeit. Mit einem Gewicht von 14 kg auf einer Grundfläche von fast einem viertel Quadratmeter ist das Gerät immer noch gut handhabbar, zumal davon auszugehen ist, dass ein solcher Projektor in der Regel fest in einem dafür geeigneten Raum installiert sein dürfte. Das unauffällige Gehäuse mit seiner schlichten Form gibt es sowohl in Weiß als auch in Schwarz, das Projektionsobjektiv ist mittig tief im Gehäuse untergebracht. Fokussierung sowie der Zoom lassen sich ausschließlich aber feinfühlig elektromotorisch bedienen. Um die genaue Bildposition festlegen zu können, hat Sony den Projektor mit sehr gutem horizontalen und vertikalen Lens-Shift ausgestattet. Auch diese Einstellung erfolgt elektromotorisch.

Anschlusspanel VPL-VW360ES
Zu spartanisch? Im Kinobereich dürfte für ein 4K-Signal die HDMI-Buchse Standard sein.

Die Anschlüsse sind traditionell im leicht zurückspringenden unteren Sockel des Gerätes zu finden. Das ließ sich nicht zuletzt darum problemlos realisieren, weil dieser Projektor kompromisslos und ausschließlich sein Bildsignal per HDMI (zwei Eingänge) übernimmt. Per LAN oder auch per RS232 lassen sich Steuerung und Kontrolle des Gerätes realisieren. Auch die recht große IR-Fernbedienung kann per Kabel mit dem Projektor Kontakt aufnehmen. Wir legen unser 4K Testsignal an einen der HDMIEingänge an und schalten den Projektor ein.

Bedientasten
Bedienung am Gerät ist möglich, allerdings wird man der IR-Fernbedienung den Vorzug geben.

Da der VPL-VW360ES mit herkömmlicher Lichtquelle ausgestattet ist, braucht es etwa zwanzig Sekunden bis das Bild zu erkennen ist und nach einer guten Minute steht es dann in voller Helligkeit und Farbenpracht da. Wir, die wir uns üblicherweise mit Projektoren für die Präsentation zufrieden geben müssen, sind nun hellauf begeistert. Alle Farbnuancen erscheinen sauber und klar und dank des guten Kontrastes und damit dem geringen Restlicht bei „Schwarz“ haben die Bilder eine verblüffende Plastizität. Feinste Strukturen schaue ich mir aus der Nähe an, auch dann ist kein störendes Raster zu sehen. Da wir in unserer technischen Ausstattung nicht auf Kinoprojektoren spezialisiert sind, können wir nur glauben, dass dieser Sony-Projektor (wie auch andere der Serie) die Metadaten der Bildquelle auswertet und so automatisch den richtigen Farbraum auswählt.

Verschiedene Voreinstellungen unterscheiden sich nicht in der Farbqualität, sondern sind beispielsweise durch unterschiedliche Gammakurven auf unterschiedliche Einsatzgebiete spezialisiert.

Wie üblich messen wir auch hier die Lichtleistung entsprechend der Norm. Unser Testkandidat kommt hier auf knapp 1400 Lumen und liegt damit voll im Toleranzbereich. Lichtleistung ist sicher nicht das wichtigste Kriterium für einen solchen Projektor. Dennoch: will man große Projektion auch mit etwas Nebenlicht genießen, dann sind ein paar Lumen mehr eine gute Investition.

Max Printzen

Sony VPL-VW360ES Lichtmessung in lm:

Lichtleistung lt. Hersteller: 1500 Lumen
Auflösung: 4K (4096 x 2160)

1380 1470 1300
1410 1520 1340
1380 1470 1290

E = 1396 Lumen, gemessen in enger Anlehnung an IEC. Prozentuale Lumen-Abweichung von Herstellerangabe: -7%, G2 = Emin/Emax * 100 = 85%

Technische Daten: Sony VPL-VW360ES

Hersteller: Sony
Modell: VPL-VW360ES
System: 3 x LCoS 0,74“
Auflösung (physikal.): 4K 4096 x 2160
Darstellb. Auflösung: 4K 4096 x 2160
Lichtleistung angegeben: 1500 Lumen
Lichtleistung gemessen: 1400 Lumen (IEC)
Lichtleistung RGB: Nicht gemessen
Ausleuchtung angegeben: k.A.
Ausleuchtung gemessen: 85 %
Kontrastverhältnis: 200.000:1
Lampe: 225 W Kurzbogen
Lebensd. Lampe: 6000
Ablenkfrequenzen:
H-sync: k.A.
V-sync: k.A.
Videobandbreite: k.A.
TV-Linien: k.A.
Videosignale:
Obj.-Bedienung: elektromotorisch
Entf. f. Bildgröße 1m²: 1,73 m
Lensshift: v:  h:
Bildentzerrung:
Bildant. über opt. Achse: 100 %
Versorgungsspannung: 220-240 V
Leistungsaufnahme: 350 W
Leistungsaufn. Standby: k.A.
Audioverstärker: nein
Anschlüsse: .
RGB in/out(Computer): nein
RGB (BNC-Anschlüsse): nein
Video (FBAS): nein
Komponenten: nein
S-Video: k.A.
Digitaleingang: 2 HDMI
Serielle (RS232): ja
USB: je
Netzwerk: ja
Betr.-Geräusch: 26 dB
Abluftaustritt: vorne
Abmessungen (HxBxT): 195 x 495 x 463 mm
Transportmaß über alles *): 195 x 495 x 463 mm
Gewicht: 14,00 kg
Einsatzgewicht **): 13,80 kg
Fernbedienung: IR mit Kabel
Besonderheiten:
Garantie: k.A.
Marktpreis inkl. MWSt: 7000 €

*) inklusive aller festen, überstehenden Teile,

**) mit Netzkabel, VGA-Adapter und einsatzbereiter Fernbedienung